Ein neues Leben geschenkt

Ein Stein ist mir vom Herzen gefallen… Die letzte Woche war unglaublich aufreibend und hat mich einiges an Nerven gekostet.

Wie mit Dr. S. vereinbart, musste ich nach dem letzten schlimmen Resultat, vier Wochen abwarten und nochmals ein Bild von der Lunge und vom Kopf machen lassen. Alles ist wie vereinbart über die Bühne gelaufen. Letzten Freitag hatten wir das Auswertungsgespräch mit meinem Mann zusammen.

Bei wichtigen Sachen ist es mir schon wichtig, dass er dabei ist. Ansonsten haben wir die Vereinbarung, dass er bei den regelmässigen Gesprächen mit Dr. S. besser nicht dabei ist. Für mich sind diese Termine schon sehr aufreibend genung. Da ist es für mich sehr schwierig, wenn ich noch jemanden bei mir habe, der nicht damit umgehen kann. Für meinen Mann sind diese Termine immer sehr schwer.

Dr. S. erklärte uns als Erstes, dass er diese Situation noch nie erlebt habe und es ihm um die letzten vier Wochen leid täte. Er schaute uns dabei so freudig an.  Zuerst war ich verwirrt und konnte seinen Satz überhaupt nicht einordnen. Im Gegenteil, ich hatte das Gefühl, er will uns auf den Arm nehem! Bis ich erkannte was er uns sagen wollte.

Er erklärte dann, dass auf den neuen Bildern nichts mehr von den neuen Metastasen zu sehen wäre. Die Alten seien noch alle da, aber die neuen 3 Stück hätten sich aufgelöst.

Wir sassen da, eine Minute verstrich, zwei Minuten und ich wurde total sauer. Mein Mann schaute mich an und erzählte etwas davon, wie glücklich ich jetzt sein müsste. Ich solle jetzt doch zufrieden sein. Doch ich war es im ersten Moment nicht. Im Gegenteil.. Das erste Gefühl war Wut und Verwirrung. Die letzten vier Wochen habe ich so sehr gelitten. Beinahe mit meinem Leben abgeschlossen… und dann kommt sowas!

Dieser emotionale Hickhack machte mich total konfus. Ich war total empört. Auch das ganze Umfeld hat arg mitgelitten und alle dachten, wie sich mein Leben dem Ende zuneigt… und dann sowas! Mir machte das unglaublich Mühe. Ich war einfach überfordert. Mein erster Gedanke war die Flucht. Natürlich flüchtete ich nicht, zumindest nicht physisch. Aber zuhören wollte ich auch nicht. Ich sass bloss da und stellte die Ohren durch. In meinem Kopf rauschte es nur..

Ich wollte mich so schnell wie möglich verabschieden und abhauen. Auf weitere Kommunikation hatte ich erstmals keine Lust. Auch nicht mit meinem Mann. Er war bereits in Festlaune und erdrückte mich bereits damit. In diesem ersten Moment war ich nur überfordert mit meinen Emotionen.
Von aussen sieht das bei mir immer so aus, als hätte ich keine Emotionen und wäre eiskalt. Doch inzwischen sollte klar sein, dass ich eher im Gegenteil zuviel davon hatte. Augenblicklich musste ich dicht machen… Ansonsten wäre ich wahrscheinlich daran zugrunde gegangen. Später kann ich das dann besser zulassen, in homöopathischen Dosen. Und auch dann ist sind diese noch sehr intensiv. Ich wusste, wenn ich das jetzt zulasse, dann schreie ich. Und das nicht vor Glück.
Wenn sie sehr stark sind, dann ist das natürlich nicht so einfach. Dann erkennt man meinen Kampf.. und in dieser Situation muss ich alleine sein. Ich kann schlecht starke Emotionen zeigen. Sie erscheinen mir so unberechenbar und machen mir eher Angst. Auch diese Nähe, die ich dabei zulassen müsste. Das ist nicht so meins. Ich kriege dann so ein kribbeln am ganzen Körper.
Es gibt Menschen in meinem Leben, die können sehr gut mit meiner Art umgehen. Sie wissen dann ganz genau, was sie fragen und machen müssen, damit ich immerhin homöopathische Dosen abgebe. Darauf zähle ich.

Wir gingen dann bald wieder und ich verabschiedete mich sofort von meinem Mann. Ich konnte nicht mit ihm reden. Er wollte mich dann noch umarmen und mir seine Emotionen so zeigen. Doch ich ertrug gar nichts mehr. Das war zuviel! Mein Bedürfnis war erst mal gleich Null. Das muss er respektieren, ansonsten werde ich körperlich… Einen Meter Abstand brauche ich. Es gibt nur ganz Wenige, die diese Grenze bewusst überschreiten und mich so aus der Fassung bringen. Ich werde dann jeweils ganz weich und rührselig. Es bedauert mich ein wenig, dass dies mit meinem Mann nicht möglich ist. Ich schaff das einfach nicht. Dazu ein ander Mal mehr.

Eine Stunde später sass ich mit meiner Schwester in einem Kaffee und erzählte ihr, was alles passiert sei. Wir waren beide total geflasht und überfordert. Sie verstand mein Gefühl sehr gut und hatte auch Verständnis dafür. Sie konnte es selber nicht wirklich fassen, was da geschehen war. Ich weiss gar nicht mehr, was wir uns viel erzählt haben. Ich glaube, wir haben uns 100 mal wiederholt, wie krass das Ganze nun ist.

Irgendwann war ich zuhause. Der rest des Tages ist einfach an mir vorbeigerauscht. Ich weiss nicht mehr genau, was alles noch gelaufen ist. Mit meinem Mann habe ich dann noch darüber gesprochen. Wir haben uns dann auch gefragt, was jetzt genau schief gelaufen ist mit den Bildern. Aber das Alles ist reine Spekulation.

Wir nehmen es jetzt mal so, wie es uns Dr. S. erklärt hatte. Demnach können diese drei Auffälligkeiten keine Metastasen gewesen sein. Metastasen verschwinden nicht einfach ohne Einwirkung von aussen, also durch Therapie. Metastasen haben nur ihr Überleben im Blick und tun alles dafür. Das kommt nur äusserst selten vor, dass Metastasen einfach so verschwinden. Man hört manchmal von solchen Fällen.
Auch wenn sie zu 99.99% genauso ausgesehen haben mögen. Werden es höchstwahrscheinlich keine gewesen sein. Und ja, ich habe die Bilder selber gesehen. Inzwischen weiss ich auch ein wenig, wie so Metastasen aussehen. Ich habe sie gesehen, die „Metastasen“ und war mir sicher, dass es welche waren. Dr. S. und andere Ärzte (Radiologen etc.) waren sich ebenfalls absolut sicher darüber! Also was war es jetzt? Die Bilder waren auch meine. Das habe ich selber überprüft.

Ich gehöre wahrscheinlich zu diesem 0.001% bei denen eine Entzündungsreaktion in der Lunge, wie Metastasen aussehen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich bereits zwei Mal eine Lungenentzündung hatte und die sahen eben total anders aus. Aber es ist die einzige Erklärung dafür, wenn es denn überhaupt eine gibt.
Dr. S. war ehrlich genug zu sagen, dass er es sich nicht wirklich erklären könne. Und er gehört zu den renommierten Onkologen! Und ich empfinde ihn als äusserst intelligent und zurückhaltend in seinen Aussagen.

Diese neue Tatsache liess mich am nächsten Tag zwischen weinen und lachen hin und her schwanken. Doch ich war auch sehr glücklich! Dem Tod nochmals von der Schippe gesprungen, so fühlte ich mich. Neu geboren. Als ich das Resultat langsam akzeptierte, freute ich mich unendlich darüber und war danach bestens gelaunt! In homöopathischen Dosen konnte ich nun darüber sprechen und mich auch freuen.

Am darauffolgenden Sonntag hatte dann auch der Sohn Geburtstag und wurde vier. Es gab ein grosses Fest und die ganze Familie war anwesend und feierte irgendwie doppelt. Die Kinder hatten keine Ahnung, aber wir Erwachsenen fühlten uns ein wenig von dieser erdrückenden Last befreit. Das war sehr schön.
Meine Schwester blieb dann auch über Nacht. Sie hütete ab Montag die Kids für weitere fünf Tage. Am Montag fuhr mein Zug nach Turin. Ich musste mich erholen. Die Reise war schon vorher geplant und sollte der Erholung dienen. Jetzt freute ich mich riesig auf diese Reise und dass ich total entspannt hinreisen konnte.

Dr. S. hat mir dann auch noch mitgeteilt, dass ich ganz normal mit der Therapie im 2-Wochen-Rhythmus weiterfahren kann. Das nehme ich gerne auf mich. Er meinte dann auch noch, ich sollte einfach vergessen, was geschehen ist. So quasi, alles ist wieder so, wie vor diesem verheerenden Bild. Interessante Blickweise.

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