Therapie Nr. 71-80

Unglaubliches ist die letzten Monate passiert. Der letzte Beitrag stammt aus dem August und war ein grosser Einschnitt in meinem Leben. Das 3-Jahres-Level habe ich erreicht und das erste Mal ein neues Gefühl für eine gewisse Freiheit erhalten.

Diese Freiheit mit dem neuen Mut für das Leben… hat mich einiges an Veränderungen gekostet. Nach drei sehr schwierigen Jahren, habe ich zum ersten Mal wieder so etwas wie Normalität in mir gespürt. Das Leben war wieder spürbar, sowie mit Glück und einigen privaten Rückschlägen verbunden. Interessanterweise habe ich zum ersten Mal wieder das Gefühl erlebt, das Richtige zu tun. Und wie es meinem Naturell entspricht, habe ich mehrere Nägel mit Köpfen geschlagen und habe rückwirkend genau das Richtige für mich getan.

Nun war geplant, dass ich ihm September mit der ganzen Familie inklusive Grosseltern nach Florida reisen würde. Aber schon im August habe ich erkannt, dass dies ein grosser Fehler für mich war. Ich konnte es nicht. Ich wollte schon länger nicht mehr mit meinem Mann zusammen sein. Ich fühlte, dass unsere Zeit abgelaufen war und wir die Beziehung nicht mehr retten konnten. Als ich das 3-Jahres-Level erreichte, wollte ich die Beziehung beenden. Es fühlte sich absolut falsch an, weiterhin mit jemandem zusammen zu sein, mit dem eigentlich sein Leben nicht mehr teilen wollte. Und so geschah es denn auch, dass ich T. offenbarte, dass ich unsere Beziehung nicht mehr wollte. Dass ich Abstand bräuchte und weg gehen würde.
Die Zeit der Offenbarung war äusserst schwierig. Die Enttäuschung von T. und seiner ganzen Familie war so dermassen gross… Ich war sowieso die Schuldige. Ich hatte alles kaputt gemacht. Ich brachte das Unglück mit der Krankheit, meine Vergangenheit und Familie waren eh schon voll die Katastrophe. Dieses gewaltige Gefühl von Schuldigkeit…
Sie haben sehr viel für mich getan und mich auch all die Jahre sehr unterstützt. Doch muss ich dafür mein ganzes Leben lang dankbar sein? Muss ich deswegen jetzt mein Leben mit T. verbringen? War ich deswegen gebunden? Mir schnürrte es deswegen den ganzen Hals zusammen und ich fühlte mich elend, Und… doch wusste ich ganz genau, was ich wollte und wie mein restliches Leben aussehen sollte. Respektive, wie eben nicht.
Wäre ich nicht krank gewesen, hätte ich den Kindern zuliebe länger ausgehalten…, vielleicht. Schwer zu sagen. Tatsache ist, dass ich mein Leben als relativ vergänglich ansehe und entsprechend auch gestalte. Ich habe wahrscheinlich nicht soviel Zeit, wie die meisten Menschen in meinem Alter. Trotz toller Remission, lebe ich immer noch als Stadium IV Patientin. Sprich, meine Metastasen sind nach wie vor alle vorhanden und besser als jetzt wird es mir wahrscheinlich nie mehr gehen. Auch sehe ich die Realität nach wie vor regelmässig bei den Therapien vor Augen. Und doch gebe ich der Krankheit keinen direkten Raum mehr. Das Leben spielt sich ganz woanders ab.

Nun gut. Ich habe mich entschieden aus dem gemeinsamen Haus auszuziehen. Nach langen Gesprächen, Streitereien etc. haben wir uns dazu entschlossen, dass die Kinder im Haus verbleiben sollen. Sie haben dort ihr soziales Umfeld und es war uns sehr wichtig, dass die Trennung human ablief. Für die Kinder war es uns sehr wichtig. Sie haben bereits sehr mit meiner Krankheit leiden müssen. Eine Kampf-Scheidung würden sie nicht ohne Schaden überstehen.
Ich suchte mir eine Wohnung in der Nähe der Kinder und wurde dann auch bald fündig. Die ganzen Besichtigungen fühlten sich bei mir ziemlich seltsam an. Das Gefühl von tiefer Einsamkeit und Schmerz gepaart mit Freude vermischten sich dabei. Bei jedem Termin fühlte sich mein Hirn matschig an. Dabei lief ich irgendwie unkonzentriert und hibbelig umher. Ich gab sicher ein komisches Bild ab. Und ich wusste auch, dass ich von aussen seltsam wahgenommen wurde. Als kalt und berechnend.

Doch die Entscheidung fühlte sich jederzeit absolut richtig an. Es galt, die Gefühle auszuhalten und sich nicht ablenken zu lassen. Nach vorne zu schauen. Meine innere Unsicherheit abzulegen und weiter zu machen. So wie ich es immer tat.

Das alles oben Beschriebene schreibt sich sehr nüchtern und technisch. Doch ich fühlte mich alles Andere. Ich hatte unglaublich mit verschiedenen Gefühlen zu kämpfen. Dieser Spagat von Arbeit, Kindern, Trennung und neuem zu Hause. Es war viel, aber ich meisterte alles erstaunlich gelassen. Was immer zurückblieb ist das eine Gefühl. Ein Bauchgefühl. Es war für mich das Richtige.

Die neue Zeit verschaffte mir auch eine neue kreative Phase. Ich versuchte viel Neues aus und fühlte mich irgendwo das erste Mal seit Jahren wieder frei und ausgewogen.

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