Trennung

Bald wurde es überdeutlich. Unsere Beziehung kriselte bereits länger und ich spürte den ewigen inneren Konflikt. Täglich rang ich mit mir und konnte mich nicht entscheiden. Was sollte ich bloss in meinem Leben tun? Habe ich überhaupt das Recht, so undankbar zu sein? Darf ich überhaupt die Frechheit besitzen und einfach „gehen“? Muss ich nicht einfach meinem Mann gegenüber dankbar sein? Wie lang muss ich das den sein? Bin ich jetzt auf ewig gebunden? Bin ich jetzt gefangen?….
Die letzte Frage war es, die mir am meisten Angst bereitete. Diese Gefangenschaft machte mich fertig. Und ja, auch wenn es die Wenigsten kapieren wollten: Ich war eine Gefangene. Nicht im herkömmlichen Sinne. Sondern in einem Luxuskäfig, einem Käfig im Kopf.
Ich wusste nicht, wie ich weiter machen sollte. Und was sollte ich für meine Kinder tun? Wessen Interessen waren jetzt höher zu gewichten? Ich zerriss mich an dieser Frage. Täglich hatte ich ein unheimlich schlechtes Gewissen und haderte mit diesen Fragen. Vor allem hatte ich durch die nahestehenden Menschen und der Gesellschaft den Eindruck, dass ich anders behandelt wurde, als wenn es der Mann gewesen wäre. Die Meinungen der Gesellschaft waren fest verankert. Als Frau und Mama sollte ich gefälligst die Bedürfnisse der Kinder und Familie über meine eigenen stellen. Genau das wurde indirekt von mir erwartet und es machte mich wahnsinnig. Die Gefangenschaft fühlte sich dadurch noch schlimmer an. Ich verstand diesen Unterschied schlichtweg nicht. Ich weinte in dieser Zeit ziemlich oft, weil ich den Eindruck hatte, keine für alle zufrieden stellende Lösung zu finden.
Auch wenn meine Kindheit und Erziehung eine echte Katastrophe war, so war dieser Unterschied bei uns nie ein Thema. Meine Eltern waren diesbezüglich sehr modern eingestellt und es gab nicht diese typischen Rollenbilder, wie es diese sehr oft in meiner Zeit gegeben hat. Und ich war noch naiv genug, genau diese Kinder mit den klischierten Elternrollen zu beneiden… diese Beständigkeit. Wow.
Erstaunlicherweise sind diese klischierten Bilder nach wie vor sehr stark verankert. Es erstaunte mich sehr, wie das in der heutigen Zeit möglich war. Der Fortschritt gegenüber den klassischen Rollenbildern schien sich nur marginal geändert zu haben. Ich konnte das nur schwer akzeptieren.
Am Anfang versuchte ich, mich zu erklären und recht zu fertigen. Mein schlechtes Gewissen liess mich knechten und viele liessen das dazu. Wenn ich z.B. sagte, dass ich mehr freie Zeit für mich bräuchte, hiess es direkt: „Aber gell, die Kinder geben einem soviel zurück!“ So im Sinne von, sei dankbar hast du noch die Kinder und sei glücklich damit. Natürlich liebe ich meine Kinder, aber ich wollte auch eine eigenständige Person sein. Ich wollte wieder Freiheit. Und diese eine Freiheit gibt es nicht kostenlos.
Ich entschied mich zu gehen…, auszuziehen aus dem Haus. Es gab drei Möglichkeiten: 1. Ich hätte meine Bedürfnisse zurück gestellt und hätte den Kindern zu liebe weiter so gelebt wie anhin. Ich würde meine Unglücklichkeit verdrängen und eventuell daran erkranken. Abgesehen davon, dass die Auswirkungen auf die Kinder katastrophal wären…
2. Ich würde mich trennen, aber im Haus bei den Kindern bleiben wollen. Was hiesse, dass ich mehr oder weniger alleinerziehend wäre und nur wenig Unterstützung von der Familie erhalten würde. Arbeiten würde so schwierig werden.
oder 3. Ich ziehe aus, gehe arbeiten und die Kinder bleiben mehrheitlich im Haus. Der Vorteil liegt klar auf der Hand. Die Eltern des Mannes würden ihn unterstützen. Er hat selber einen Tag Frei und könnte sich ebenfalls an der Betreuung beteiligen. Mit der Zeit reifte die Einstellung, dass das übliche Familienmodell – Mama bleibt bei den Kindern mit Haus, Garten und Auto, der Papa bezahlt Alimente bis zum Nimmerleinstag und lässt sich quasi nur alle zwei Wochenenden bei den Kindern blicken – für mich nicht in Frage kam. Ich hatte echt keine Lust, alles alleine zu machen, kaum mehr arbeiten zu können, abhängig zu sein… Nein, kam nicht in Frage. Es bedeutete zwar, dass ich mich würde von den Kindern lösen müssen und ja es war schwierig, aber ich war ja nicht weg. Ich wohne ganz in der Nähe und sehe sie immer Montags, Mittwochs, jedes 2. Wochenende sowie immer Sonntags wo sie dann auch bei mir übernachten.

Es war eine schwierige Zeit…. aber heute, viele Monate später, bereue ich keine Sekunde. Mein Bauchgefühl hat mir die Richtung gewiesen. Ich nahm die Challenge an und überwand einige Hürden.

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